Drucken

März 2009

Geschrieben von Michael Zangerle am . Veröffentlicht in Malaysia

So… der Micha ist nun nach langer Reise auf der Insel angekommen. Jegliches Zeitgefühl geht durch Jetlag, Hitze und eine nicht geschlafene Nacht, die man wegen der Zeitverschiebung so eigentlich nicht nennen dürfte, verloren. Der erste Tag neigt sich dem Ende, es geht auf 24 Uhr zu und die ersten Eindrücke setzen sich im Kopf.
Welche ich davon zu erst verarbeiten soll, weiß ich ganz ehrlich nicht, da die innere Gefühlswelt so unterschiedlich aussieht, wie sie nur sein kann. Der Abschied von all den wichtigen Menschen; von Nadine, meine Eltern und Schwiegereltern, meinen besten Freunden. Der zehrende Flug, das riesen Gepäck, was, wie wohl bei jedem, viel zu schwer war und mit jeder gehetzten Minute schwerer zu werden schien. Zum Glück nur, das hier nichts wirklich teuer ist, sodass ich diesmal nicht auf Lowest Budget angewiesen bin.

Nach einer interessanten Check-In-Phase, mit zu viel Übergepäck, (pro kg hätte ich 37 Euro nachzahlen sollen), der Sperrung des Terminals wegen einer liegengelassenen Decke, dem Austricksten der Fluggesellschaft (33 kg als 30 kg einzuchecken, dank der Dame hinter dem Desk, 8 kg Handgepäck statt 7 kg genehmigt zu bekommen und nur ein Handgepäckstück  einzuchecken und später zwei mitzunehmen), einem wirklich unruhigem Flug, einer imposanten Zwischenlandung in Abu Dhabi und einem Gehetzte in Kuala Lumpur, sollte meine erste Zwischenstation in Kota Bharu sein. Hier habe ich mich mit den Dingen eingedeckt, die ich entweder vergessen oder an die ich nicht gedacht habe.

An der Fähre zu den Inseln angekommen, war ich schon mal über die Größe dieses Hafens überrascht. Auf dem Weg zu den Inseln stellte sich dann endlich ein bekanntes Gefühl ein. Freude, vielleicht doch keinen Fehler gemacht zu haben, Deutschland zu verlassen, und hierher zu gehen. Sicherlich fühle ich mich im Moment sehr einsam, aber das ist sicherlich ein normales Gefühl, da alles neu ist, man eben auf sich alleine gestellt ist und die seine engsten Vertrauten vermisst.

Welche Gefühle mich zurzeit beschäftigen? Die Überraschung an dem Stand vorbeizufahren, den Nadine, Ralf und ich das letzet Mal im Jahre 2001 unsicher gemacht haben? Oder diesen Überhaupt nicht wiedererkannt zu haben, weil sich einfach alles, fast alles, verändert hat? Ok, die Form der Insel ist gleich geblieben. Aber die Windräder zu sehen? Diese sollten eigentlich Strom erzeugen, sind aber seit 2 Jahren nicht angeschlossen, laufen aber. Na, wenn das mal nicht effizient zu nennen ist.

Die Hitze, das Gewicht meiner Ausrüstung, knapp 50 kg, und zu wenig zu trinken und geschlafen zu haben, all die neuen Namen und  dazugehörigen Menschen. Die ganzen neuen Informationen, die Gewissheit, dass dies mein Zuhause für die nächsten 5 Wochen sein soll, bis Nadine, ein Stück Heimat, hinzustößt. Gemeinsam mit einem Franzosen, der nicht gerade zu den sich gerne unterhaltenden Menschen gehört, weil sein Englisch nicht das Beste ist. Naja, meines lässt auch arg zu wünschen übrig. Der gestrige Tag ging wie in Zeitlupe vorbei und war dennoch im Flug vorüber. Die erste Nacht hier war unruhig, weil der Körper noch in einer anderen Zeit weilt. So sitze ich jetzt hier, 10.40 Uhr und versuche mir klar zu machen, welchen Tag wir heute haben. Ich versuche mir auch klar zu machen, was ich hier überhaupt soll. Ich erinnere mich dabei gut an die Gedanken und Gefühle, die ich bei der letzten großen Reise 2001 hatte und stelle die totale Parallele her. Wie schön wäre es gewesen, dies alles mit Nadine zusammen zu starten und durchzustehen. Würde alles sehr viel leichter machen. Aber, wenn ich einmal unter Wasser gewesen bin, wird sich alles zum Guten verändern, dann weiß ich, weshalb ich diesen Schritt so schnell alleine machen musste. So, genug für den ersten Tag.